Kein Passagier der Free Gaza Flotte erregte soviel Aufmerksamkeit, wie der schwedische Journalist und Millionär Hennig Mankell. Da auf Aufmerksamkeit meist ein Rundumschlag folgt, können sich die Mainstreammedien natürlich auch ein ordentliches Bashing nicht verkneifen. Ein Paradebeispiel dafür ist die Süddeutsche Zeitung, die am 05. Juni folgende Aussagen vom Stapel liess:
[...] Reporter, Fernsehteams und Verlagsmenschen sind an diesem Nachmittag nicht ins Theater gekommen, um einem Palästinenser zuzuhören, sondern einem Schweden, der einige Zeit pro Jahr in Mosambik lebt, viele Millionen mit Krimis verdient und sich den Luxus leistet, ein linker Moralist zu sein. [...]
[...] Und weil an diesem Nachmittag kein Palästinenser vor den Mikrofonen sitzt, spricht Mankell mit einem Furor über den grauenhaften Morgen im Mittelmeer und die Arroganz israelischer Soldaten, als sei er Pressesprecher der 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen. Allerdings redet er nicht von ihnen, sondern von sich. [...]
(Quelle: Süddeutsche Zeitung – 05. Juni 2010)
Einerseits muss man der Süddeutschen Recht geben. Mankell hat in letzter Zeit sehr viel mehr über sich selbst und seinen “Hass auf Israel” (Der Hass ist eine Unterstellung, die nicht von mir stammt.) geredet, als dass er die Aufmerksamkeit dazu nutzten würde, eine Graswurzelbewegung zu starten beziehungsweise die bereits bestehende zu fördern. Seine Aussagen lassen teilweise eher die Vermutung aufkommen, Mankell sei einfach “Yet Another Israel Basher”. Allerdings muss man ihm auch anrechnen, dass er überhaupt Aussagen macht, anstatt gleich ein Buch darüber zu schreiben, um sein (finanzielles) Vermögen weiter auszubauen (obwohl ich nicht ausschliessen will, das bald sowas wie “Henning Mankell – Die Piraten von Israel” in den Bücherregalen steht…). Aber genug der Vorgeschichte… schliesslich title ich ja mit Henning Mankells Augenzeugenbericht.
Der Augenzeugenbericht Henning Mankells wurde von der “jungen Welt” am 05. Juni 2010 veröffentlicht und trägt die Überschrift: “Ich war dabei“. Nachlesen kann man ihn – unter anderem – auf dem Portal der “AG Friedensforschung” von der Uni Kassel. Dort findet sich auch eine Art Pressespiegel mit verschiedenen anderen Artikeln und sonstigem Mainstream. Lohnt sich auf jeden Fall, da mal reinzuschauen. Ganz wichtig dabei aber: Die Artikel mit Skepsis lesen (was man immer tun sollte. Nicht nur bei Mainstream, sondern auch bei Blogs, etc…). Aber nun – endlich – zum Augenzeugenbericht:
Mankell war nicht auf einem der grossen Schiffe sondern auf der Sophia, einem kleineren Frachtschiff, welches Zement, Bauteile für Fertighäuser und – unter anderem – einen Schwedischen Abgeordneten der Grünen geladen hatte. Er betont deshalb auch immer wieder, dass er nicht alles beantworten kann, weil sein Schiff ungefähr einen Kilometer vom “Frontschiff” der “Mavi Marmara” (welches hauptsächlich ein Passagierschiff ist) entfernt war. Er war also einen Kilometer vom Geschehen weg und trotzdem “war er dabei” - (“Ich war dabei”). Er lässt zitieren, dass er lieber einmal mehr sagt, “Ich weiss es nicht genau”, als dass er Dinge berichtet, die er – aufgrund der Entfernung – vielleicht falsch wiedergibt oder nur über drei Ecken erzählt bekommen hat. Wirkt erstmal seriös, beim zweiten Mal hinsehen und nach dem lesen verschiedener Interviews, wirkt es aber eher so, als würde er einen regelrechten “innerlichen Krieg” gegen Israel führen.
Die Stürmung der Sophia – einem kleinen Frachter – beschreibt er als aggressiv. Ein älterer Mann, der nicht der schnellste war, wurde gar mit einer Elektroschock-Pistole angeschossen und ein anderer bekam Gummischrot ab. Die Beschreibung der “Tatwaffen” deckt sich also nicht, mit der Version, der “Tatwaffen” auf der “Mavi Marmara”. Doch von einer Provokation der Mavi Passagiere will er nichts wissen. Keiner habe antisemitische Lieder gesungen und auch sonst verhielt man sich nicht provokativ. Er sagt, alles andere würde ihn sehr wütend machen, wenns denn so gewesen sei (was er ja nicht gänzlich ausschliessen will, da er ja einen Kilometer entfernt war…)
Mein Fazit: Bei mir hinterlässt Henning Mankell einen Nachgeschmack, den ich nicht genau einordnen kann. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Aktion Free Gaza ist sicherlich eine tolle Sache, die unbedingt weitergeführt werden muss. Allerdings muss man aufpassen, dass nicht einzelne Personen oder Gruppierungen dies als Plattform für populistische Aussagen nutzt (was leider oft der Fall ist, sobald der Mainstream die Geschichte aufgreift).