Von der Idee zum Geschäftsmodell

Nehmen wir, aus aktuellem Anlass, mal das Thema Blog Provider. Blog Netzwerke haben ihren Höhepunkt nach Meinung von vielen bereits überschritten und andere Trends wie Microblogging kommen als zusätzliche Konkurrenz noch hinzu. Aber Fakt ist, dass vor allem die grossen, kommerziellen Anbieter überlebt haben, während kleinere Anbieter immer mehr verschwinden. Wenn man die Leute nach ihrem bevorzugten Blog Provider fragt, ist die erste Antwort Google mit seinem blogger.com Angebot. Hinzu kommt dann nach einigem überlegen noch WordPress.com. Bei den Microblogging Diensten konnten sich neben Twitter noch soup.io und identi.ca durchsetzen. Beide dieser Alternativen starteten, so die Meinung vieler, als unabhängige Angebote. Doch hinter beiden Diensten stecken mittlerweile Firmen. Allerdings mag man diesen den Erfolg sicherlich mehr gönnen als Multinationalen Grosskonzernen wie Google.

Immer mehr Dienste, nicht nur im Bereich (Micro-)Blogging, bedienen sich mittlerweile dem Open Source Gedanken. Auf status.net findet sich eine Open Source Microblogging Software, aber auch die Möglichkeit sich einen “Hosted Account” mit kommerziellen Support anzulegen. Die gängige Praxis und ich finde das auch völlig legitim. Allerdings ist die eigentliche Praxis, wie diese Unternehmen Open Source “praktizieren”, meist sehr undurchsichtig. Denn Open Source bedeutet in meinen Augen, nicht nur seine Software unter einer entsprechenden Lizenz zu veröffentlichen, sondern auch den Gedanken dahinter zu leben. Man sollte sich gegenseitig fördern und nicht nur an das eigene Wohl denken, sondern stets auch die Community im Hinterkopf haben. Man sollte sich z.B. die Frage stellen, welchen Anbieter wähle ich für meine “Hosted Accounts”. Nehm ich einen Big Player oder versuche ich selber eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Sich selber eine Infrastruktur aufzubauen ist sicherlich mit einem Mehraufwand verbunden, kann sich aber trotzdem rechnen. Rechnet man zusammen, was das Hostingangebot und der Support dafür kostet kommt man je nach Grösse seines Projektes doch auf einen erheblichen Betrag. Da liegt die Überlegung meist nahe, einen Mitarbeiter extra für diese Arbeiten abzustellen und dafür hat man dann den Support direkt im Haus und kann auch die Wartungsfenster für die Infrastruktur selbst bestimmen und ist nicht auf den Provider angewiesen.

Diesen Überlegungen müssen sich immer mehr Start-Ups und auch eingesessene Firmen stellen. Meist geraten aber bei diesen Überlegungen Prinzipien wie Datenschutz und Privatsphäre immer mehr in den Hintergrund. Denn mit personalisierter Werbung, dem Verkauf von Userdaten und anderen, in meinen Augen, unlauteren Praktiken lässt sich immer mehr Geld verdienen. Das beweisen unter anderem die immer häufiger auftretenden Datenskandale. Dem entgegenzuwirken wird immer schwerer, bis gar unmöglich. Die Mitarbeiter anständig zu schulen und Datenträger sinnvoll zu verschlüsseln bedeutet Mehraufwand. Es braucht sowohl Zeit, als auch Geld. Und beides wollen oder können viele nicht aufwenden. Am Schluss leidet dann sowieso meist jemand anders.

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