Reality-TV: Scripted-, Documented oder einfach nur Reality

Nachdem die fragwürdigen Reality Shows, in denen sich regelmässig Hartz IV Empfänger zum Affen machen, das Nachmittagsprogramm bereits völlig im Griff haben, folgt nun auch langsam die Prime Time. Am Nachmittag kann man sich stundenlang an schlecht spielenden Amateurschauspielern ergözen, die nach einem lausigen Drehbuch ihre Sätze abrattern. Das ganze nennt sich dann Scripted Reality. Das wurde wohl eingeführt, weil die echte Realität langsam zu langweilig wird. Nicht ganz neu sind auch die Documented Reality Formate, in denen Ordnunghüter oder andere Personen auf Schritt und Tritt verfolgt werden.

Das Ausmass dieser Shows wird immer bizarrer. Der Spiegel berichtet gar von einer Familie, die im Anschluss vom ganzen Dorf verfolgt wurde und als Konsequenz daraus sogar umziehen musste. Scheiben wurden eingeschlagen und die Bewohner beschimpft. Die Familie galt als erfahrene TV Familie. Sie hatte bereits verschiedene Auftritte in Talkshows und Reality Formaten hinter sich. Trotzdem konnte sie wohl keinen Einfluss auf die lebendige Fantasie der Regisseure nehmen. Das gelingt den wenigsten. Im TV wird einfach nur gezeigt, was man zeigen will. In jeder Wohnung findet sich Dreck. Diesen filmt man fünf mal aus verschiedenen Richtungen und schon sieht es so aus, als sei die ganze Wohnung ein Schweinehaufen. Dasselbe gilt für Aussagen und Statements die gemacht werden. Man schneidet sämtliche Sympathie raus und am Schluss ist der ein wenig verrückte Familienvater ein Kindesmisshandler. Alles kein Problem, wenn man selbst entscheiden kann, was es auf die Bildschirme schafft und was nicht.

Im Artikel des Spiegels wird auch von einer Knappheit an willigen Amateurschauspielern geschrieben. So wird dem interessierten Zuschauer wohl auffallen, dass die Person, die eben noch eine Wohnung mit Hilfe eines Maklers kaufen wollte, im nächsten Moment auf einer Talkshowcouch sitzt und sich über ihren Ex-Mann auslässt, der sie jahrelang geschlagen hat. Auf der Webseite der, im Artikel genannten, Castingagentur kann sich die Produktionsfirma seine nächsten “Opfer” aussuchen. Es werden auch gleich alle möglichen Details aufgelistet. Zum Beispiel ob man über eine eigene Wohnung verfügt und ob darin auch das Filmen möglich ist. Doch für die Geschichte hinter diesen Details wird sich kaum ein Produzent interessieren. Immerhin haben sich die Produzenten bereit erklärt, der Familie die entstandenen Kosten von den Sachbeschädigungen zu erstatten. Doch dies wird dann kaum von der Kamera begleitet.

Bei der ganzen Diskussion um Hartz IV und Mindestlöhne ist es doch interessant auch mal zu sehen, zu was Leute, die deutlich unter einem vernünftigen Existenzminimum leben genötigt sind. Vielleicht möchte der Herr Westerwelle selbst einmal in so einer Show mitspielen. Aber natürlich nicht ohne dafür ordentlich Sponsoringgelder einzustecken.

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  1. [...] ehrlich RTL… wie tief könnt und wollt Ihr noch sinken? Neben Euren ganzen Reality-, scripted- und documented TV-Formaten der Marke “Wir-machen-unsere-Mitmenschen-zum-Affen”, ist das Niveau der Magazin- und [...]

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