Der Fluch der Wahlmöglichkeit

Heute bietet das Internet über eine Billion Webseiten, auf denen man zu wirklich jedem Thema mehr oder weniger seriöse Informationen findet. Auch die grossen Medienhäuser haben längst die unendlichen Möglichkeiten für sich entdeckt. Dabei sind sie allerdings auf ein Problem gestossen, dass sich freie Wahlmöglichkeit der Benutzer nennt. Immer seltener besuchen Benutzer eine einzelne Newsseite um sich zu informieren, sondern sie besuchen Blogs oder Soziale Netzwerke die ihren Interessen entsprechen. Auf diesen Seiten findet man dann ausschliesslich Links zu Themen die das jeweilige Informationsbedürfnis befriedigen. Diese Links zeigen dann entweder zu Blogeinträgen, Newsseiten oder sonstigen Quellen. Der Benutzer besucht also ausschliesslich einzelne Links, die er sofort nach dem Lesen wieder schliesst. Der Rest der Seite bleibt unbemerkt. Es wird für Seitenbetreiber somit immer schwerer Benutzer langfristig an das Angebot zu binden. Teilweise versucht man dem mit dem bereitstellen einer Community oder z.B. Flashgames entgegenzuwirken. Communitys erzeugen ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Flashgames mit Ranglisten erzeugen Ehrgeiz. Beides kann Benutzer dazu bringen, das Angebot über eine lange Zeit immer wieder zu besuchen.

In Zukunft werden durch Ebookreader und Tablet PCs wie z.B. dem iPad, diese Wahlmöglichkeiten bewusst gefördert. Auf Meta-Suchseiten wie news.google.com kann man bereits heute einfach das gewünschte Thema eingeben und bekommt dann eine Auswahl von verschiedenen Seiten, die den gewünschten Inhalt anbieten. Man stösst also wieder auf das oben beschriebene Problem. Im Gegensatz zu Googles Newssuche versucht Apple mit Hilfe von iTunes kommerzielle Inhalte feil zu bieten. Allerdings prophezeie ich, dass Apple als einziger davon langfristig profitieren kann. Es wird zwar vielleicht Angebote wie “XYZ-News Channels” geben, doch wer will sich schon auf einen einzigen Anbieter festlegen, wenn er sich vielleicht für eine von zehn News von diesem interessiert. Der Benutzer wird also weiterhin hin und her “zappen” und sich seine Themen aussuchen.

Das Problem der freien Wahlmöglichkeit wird die Anbieter also sicherlich noch eine Weile beschäftigen. Erstmal werden sich viele Anbieter damit zufrieden geben, dass sie für ihre teils aufwendig recherchierten Inhalte durch Anbieter wie z.B. Apple entlohnt werden. Der Trend dazu ist ja bereits vorhanden. Nicht umsonst gehen immer mehr Verlage auf die Barrikaden gegen Google oder bieten gar bewusst nur einzelne Artikel für die Suchmaschinen an und die restlichen Inhalte stehen nur registrierten Benutzern zur Verfügung. Eine Art Lockvogeltaktik also.

Ein Problem an diesen Gratisangeboten ist zudem, dass dadurch Qualitätsjournalismus nicht unbedingt gefördert wird. Bereits jetzt merkt man dies deutlich. Immer mehr Autoren schreiben einfach die Medienmitteilungen ein wenig um oder stellen sie gar 1:1 ins Netz und für kritische Stimmen, die auch mal Inhalte hinterfragen ist schon längst kein Platz mehr.

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